Warmspielen – aber richtig!

Driving Range mit Abschlagmatte vor einer Golfrunde

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Warum die Runde schon auf der Driving Range beginnt

Vor einer Golfrunde ist Aufwärmen kein lästiges Pflichtprogramm, sondern beinahe schon Teil des Spiels. Wer kalt zum ersten Abschlag geht, verschenkt oft schon auf den ersten Löchern Schläge und wundert sich anschließend, weshalb die ersten Schläge in das Fairway nicht richtig funktionieren.

Aufwärmen, aber richtig

Gelegentlich kann man auf den Driving Ranges beobachten, wie sich Menschen beim Warmmachen in Körperdrehungen versuchen, die – selbst mit einem ausgesprochen milden Blick betrachtet – einen gewissen satirischen Unterhaltungswert besitzen. Da wird sich verbogen, an den Muskeln gezogen und der Körper in Positionen gebracht, dass es nur so eine Freude ist. Man kann dabei fast den Eindruck gewinnen, dass die Hoffnung wächst: Je deutlicher die Dehnung zu spüren ist, desto besser habe man den jeweiligen Muskel nun für die bevorstehende Runde in Szene gesetzt.

Genau das muss nicht sein. Warmmachen heißt warmmachen. Nicht überdehnen, nicht überstrecken und schon gar nicht bis zu dem Punkt gehen, an dem etwas schmerzt. Es geht schlicht darum, den Körper auf die Bewegungen vorzubereiten, die gleich auf dem Platz verlangt werden: drehen, schwingen, Gewicht verlagern und den Bewegungsumfang langsam größer werden lassen.

Das kann ganz unspektakulär beginnen. Schläger in die Hand, fünf Bälle hinlegen und die ersten Schläge wirklich nur antippen. Wenn der Ball dabei drei, zehn oder zwanzig Meter fliegt, ist das vollkommen gleichgültig. Noch geht es nicht um Länge und schon gar nicht darum, dem Nachbarn auf der Driving Range zu zeigen, was man alles kann. Der Bewegungsablauf soll beginnen. Erst kleine Schwünge, dann halbe Schwünge und schließlich Stück für Stück etwas weiter ausholen.

Sinnvoll ist es, mit einem kurzen Eisen oder Wedge anzufangen und sich anschließend langsam durch einige Schläger nach oben zu arbeiten. Zwischen den Schlägen ruhig ein paar Sekunden Zeit lassen, den Stand neu einnehmen und auf einen lockeren Rhythmus achten. Erst wenn sich der Schwung rund anfühlt, kommen längere Eisen, Holz und schließlich der Driver hinzu.

Und auch beim Driver gilt: Der erste Ball muss nicht 250 Meter weit fliegen. Zwei oder drei lockere Schwünge reichen zunächst völlig. Zum Abschluss kann man dann sogar den ersten Abschlag der bevorstehenden Runde simulieren: Ziel auswählen, Routine durchgehen, einen Ball schlagen – und genau dabei versuchen, das Gefühl mitzunehmen, mit dem man wenige Minuten später auf dem ersten Tee stehen möchte.

Aufwärmen soll den Körper ins Golfspiel hineinführen, nicht ihn schon vor dem ersten Abschlag ermüden.

Keinen Zwang!

Weder physiologisch noch psychologisch sollte beim Aufwärmen Zwang entstehen. Fünfzigmal den Oberkörper nach rechts und links zu drehen und sich dabei womöglich noch in die Endposition hineinzuzwingen, bringt wenig. Mit dem tatsächlichen Golfspiel hat eine solche mechanische Wiederholung nur begrenzt etwas zu tun.

Der Golfschwung ist keine isolierte Bewegung einzelner Muskeln, sondern eine koordinierte Kette durch nahezu den gesamten Körper. Beine und Gesäß stabilisieren den Stand und unterstützen die Gewichtsverlagerung. Die Hüftmuskulatur leitet die Rotation ein, Bauch- und Rückenmuskulatur übertragen die Bewegung über den Rumpf, Schultergürtel und Brustmuskulatur führen die Arme, während Unterarme und Hände schließlich die Verbindung zum Schläger herstellen. Selbst Waden, Fußmuskulatur und die kleinen stabilisierenden Muskeln rund um Wirbelsäule und Schulter arbeiten mit.

Gerade deshalb ist es wenig sinnvoll, vor der Runde einzelne Körperpartien mit Gewalt auf maximale Dehnung zu bringen. Entscheidend ist vielmehr, die gesamte Bewegungskette langsam in Gang zu setzen. Kleine Rotationen, lockere Schwünge, allmählich größere Bewegungen. Der Körper soll verstehen: Gleich wird Golf gespielt.

Und auch im Kopf gilt dasselbe. Aufwärmen ist keine Prüfung. Es gibt keine vorgeschriebene Zahl an Drehungen und keine Pflicht, nach fünf Minuten schon den perfekten Schwung zu produzieren. Je weniger Druck entsteht, desto größer ist die Chance, dass sich der Körper tatsächlich locker und natürlich in den Bewegungsablauf hineinfindet.

Die Masse macht gar nichts!

Vor der Golfrunde 40, 60 oder gar 80 Bälle stoisch in die Welt zu schlagen, bringt wenig. Aufwärmen ist kein Mengenwettbewerb. Entscheidend ist nicht, wie viele Bälle irgendwann vor einem fehlen, sondern ob der Körper Schritt für Schritt in den Golfschwung hineingefunden hat.

Beginnen kann man ganz entspannt mit einem Wedge oder einem kurzen Eisen. Drei Bälle genügen zunächst vollkommen – und die müssen noch nicht einmal weit fliegen. Danach kommt der nächstlängere Schläger an die Reihe, wieder mit drei lockeren Bällen. So arbeitet man sich langsam durch die Eisen nach oben. Je nach Zusammenstellung des Bags sind das vielleicht gerade einmal 15 Bälle. Mehr braucht es für diesen ersten Teil überhaupt nicht.

Danach beginnt gewissermaßen der zweite Durchgang. Wieder beim Wedge oder kurzen Eisen starten und nun mit etwas mehr Geschwindigkeit schlagen. Dabei reicht bereits ein Ball, höchstens zwei, pro Schläger. Der Bewegungsablauf ist inzwischen bekannt, der Körper warm – jetzt darf sich der Schwung langsam dem nähern, was später auf dem Platz gebraucht wird.

Anschließend kommen die Hölzer. Drei Bälle pro Holz sind vollkommen ausreichend: der erste locker, der zweite etwas entschlossener, der dritte annähernd im normalen Spieltempo.

Beim Driver dürfen es vier Bälle sein. Die ersten beiden werden bewusst locker geschlagen. Beim dritten darf etwas mehr Geschwindigkeit hinzukommen. Und erst der vierte wird so gespielt, wie man später auf dem ersten Abschlag tatsächlich schlagen möchte.

Der Sinn dahinter ist einfach: Der Körper soll auf Betriebstemperatur kommen, nicht bereits auf der Driving Range seine erste Runde absolvieren. Wer nach dem Warmspielen schon das Gefühl hat, eine Trainingseinheit hinter sich zu haben, hat möglicherweise etwas zu viel des Guten getan.

Beim Aufwärmen was dazulernen?

Wenn der Slice gerade dein Problem ist, wenn deine Bälle ständig zu weit nach rechts fliegen oder wenn du sie regelmäßig nach links ziehst, wirst du das unmittelbar vor einer Runde oder einem Turnier auf der Driving Range nicht mehr grundsätzlich korrigieren. Und dafür ist das Aufwärmen auch gar nicht gedacht.

Aufwärmen soll den Körper vorbereiten und den eigenen Schwung für den Tag fühlbar machen. Es ist keine Technikstunde. Wer kurz vor dem ersten Abschlag plötzlich anfängt, Griff, Schwungbahn, Schulterstellung und Treffmoment gleichzeitig verändern zu wollen, produziert im Zweifel eher noch mehr Unsicherheit.

Wenn du deinen Schwung verbessern willst, gehört das in ein bewusstes Training. Entweder gemeinsam mit einem Trainer oder an einem echten Driving-Range-Tag, an dem genau dafür Zeit eingeplant ist. Dann darf analysiert, ausprobiert, verändert und wiederholt werden.

Das ist etwas völlig anderes als Warmspielen. Im Gegenteil: Auch vor einem solchen Training sollte man sich zunächst aufwärmen. Erst locker beginnen, den Körper in Bewegung bringen und dann in die eigentliche Trainingseinheit einsteigen.

Und wenn diese Einheit anschließend 60, 80 oder noch mehr Bälle umfasst, ist das vollkommen in Ordnung. Dann haben diese Bälle einen Zweck. Sie gehören zum Training.

Vor einer Runde dagegen geht es nicht darum, noch schnell ein besserer Golfer zu werden. Es geht nur darum, den Golfer, der man gerade ist, möglichst gut vorbereitet an den ersten Abschlag zu bringen.

Muss es Rasen sein?

Nein. Es ist überhaupt kein Problem, sich auf den Abschlagsmatten aufzuwärmen. Man muss nicht zwingend vor die Matten gehen und dabei den Rasen zerhacken. Für ein normales Aufwärmprogramm besteht dafür schlicht keine Notwendigkeit.

Wer bewusst mit Divots arbeiten möchte, weil das zum eigenen Trainingsgefühl gehört oder weil bestimmte Schläge gezielt trainiert werden sollen, kann natürlich auch einmal vom Rasen schlagen. Aber das ist dann bereits Training – nicht bloß Warmspielen.

Für das eigentliche Aufwärmen reichen die Matten vollkommen aus. Kurze Eisen, mittlere Eisen und auch die Hölzer lassen sich dort problemlos vorbereiten. Beim Driver sieht es etwas anders aus: Für die vier vorgesehenen Driverbälle kann man auf den Rasen beziehungsweise an die dafür vorgesehene Abschlagstelle gehen und den Ball sauber aufteen. Gleiches gilt, wenn beispielsweise ein Holz 3 vom Tee gespielt werden soll.

Der Grundgedanke bleibt einfach: Aufwärmen soll den Körper vorbereiten, nicht unnötig Spuren auf der Anlage hinterlassen. Wer die Abschlagsmatten nutzt, schont den Rasen und damit auch die Infrastruktur des Golfplatzes.

Wann sollte das Aufwärmen beginnen?

Vor einem Turnier sollte das Aufwärmen möglichst nicht zwischen Parkplatz, Scorekarte und erstem Abschlag eingeklemmt werden. Rund 30 Minuten vor der Startzeit mit einem konsequenten Aufwärmprogramm zu beginnen, ist ein guter Richtwert. Dann bleibt genug Zeit, den Körper langsam in Bewegung zu bringen, einige Bälle mit den Eisen zu schlagen, die Hölzer und den Driver vorzubereiten und anschließend noch ein paar Putts oder kurze Chips zu machen.

Wichtig ist dabei, nicht schon mit Blick auf die Uhr hektisch zu werden. Aufwärmen unter Zeitdruck verfehlt seinen Zweck. Wer weiß, dass er um 10 Uhr abschlägt, sollte also nicht um 9.52 Uhr auf der Driving Range erscheinen und versuchen, in acht Minuten zwanzig Bälle zu erschlagen.

Bei einer privaten Runde darf das Ganze deutlich entspannter aussehen. Da kann man ein wenig bummeln, zwischendurch einen Kaffee trinken oder sich erst einmal mit den Mitspielern unterhalten. Entscheidend ist nur, dass der Körper vor dem ersten Abschlag tatsächlich schon einmal in Bewegung war und nicht direkt aus Auto, Clubhaus oder Golfcart in den ersten vollen Schwung geschickt wird.

Sinnvoll ist außerdem, das Aufwärmen nicht zu früh vollständig abzuschließen. Wer 45 Minuten vor dem Start fertig ist und anschließend eine halbe Stunde sitzt, darf sich nicht wundern, wenn sich der Körper am ersten Abschlag wieder etwas eingerostet anfühlt. Ideal ist, wenn zwischen den letzten lockeren Schlägen und dem Gang zum ersten Tee nur wenige Minuten liegen.

Und auch hier gilt: Das Aufwärmen soll Ruhe schaffen, nicht neue Hektik produzieren. Beim Turnier etwas strukturierter und konsequenter, bei der privaten Runde gerne entspannter, aber in beiden Fällen mit dem gleichen Ziel. Am ersten Abschlag soll das Körpergefühl auf Golf eingestellt sein.

Schönes Spiel.

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