{"id":7,"date":"2026-09-23T14:42:39","date_gmt":"2026-09-23T14:42:39","guid":{"rendered":"https:\/\/abschlagen.com\/?p=7"},"modified":"2026-09-23T17:52:11","modified_gmt":"2026-09-23T17:52:11","slug":"warmspielen-aber-richtig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/abschlagen.com\/?p=7","title":{"rendered":"Warmspielen \u2013 aber richtig!"},"content":{"rendered":"<h2>Warum die Runde schon auf der Driving Range beginnt<\/h2>\n<p>Vor einer Golfrunde ist Aufw\u00e4rmen kein l\u00e4stiges Pflichtprogramm, sondern beinahe schon Teil des Spiels. Wer kalt zum ersten Abschlag geht, verschenkt oft schon auf den ersten L\u00f6chern Schl\u00e4ge und wundert sich anschlie\u00dfend, weshalb die ersten Schl\u00e4ge in das Fairway nicht richtig funktionieren.<\/p>\n<h3>Aufw\u00e4rmen, aber richtig<\/h3>\n<p>Gelegentlich kann man auf den Driving Ranges beobachten, wie sich Menschen beim Warmmachen in K\u00f6rperdrehungen versuchen, die \u2013 selbst mit einem ausgesprochen milden Blick betrachtet \u2013 einen gewissen satirischen Unterhaltungswert besitzen. Da wird sich verbogen, an den Muskeln gezogen und der K\u00f6rper in Positionen gebracht, dass es nur so eine Freude ist. Man kann dabei fast den Eindruck gewinnen, dass die Hoffnung w\u00e4chst: Je deutlicher die Dehnung zu sp\u00fcren ist, desto besser habe man den jeweiligen Muskel nun f\u00fcr die bevorstehende Runde in Szene gesetzt.<\/p>\n<p>Genau das muss nicht sein. <strong>Warmmachen hei\u00dft warmmachen.<\/strong> Nicht \u00fcberdehnen, nicht \u00fcberstrecken und schon gar nicht bis zu dem Punkt gehen, an dem etwas schmerzt. Es geht schlicht darum, den K\u00f6rper auf die Bewegungen vorzubereiten, die gleich auf dem Platz verlangt werden: drehen, schwingen, Gewicht verlagern und den Bewegungsumfang langsam gr\u00f6\u00dfer werden lassen.<\/p>\n<p>Das kann ganz unspektakul\u00e4r beginnen. Schl\u00e4ger in die Hand, f\u00fcnf B\u00e4lle hinlegen und die ersten Schl\u00e4ge wirklich nur antippen. Wenn der Ball dabei drei, zehn oder zwanzig Meter fliegt, ist das vollkommen gleichg\u00fcltig. Noch geht es nicht um L\u00e4nge und schon gar nicht darum, dem Nachbarn auf der Driving Range zu zeigen, was man alles kann. Der Bewegungsablauf soll beginnen. Erst kleine Schw\u00fcnge, dann halbe Schw\u00fcnge und schlie\u00dflich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck etwas weiter ausholen.<\/p>\n<p>Sinnvoll ist es, mit einem kurzen Eisen oder Wedge anzufangen und sich anschlie\u00dfend langsam durch einige Schl\u00e4ger nach oben zu arbeiten. Zwischen den Schl\u00e4gen ruhig ein paar Sekunden Zeit lassen, den Stand neu einnehmen und auf einen lockeren Rhythmus achten. Erst wenn sich der Schwung rund anf\u00fchlt, kommen l\u00e4ngere Eisen, Holz und schlie\u00dflich der Driver hinzu.<\/p>\n<p>Und auch beim Driver gilt: Der erste Ball muss nicht 250 Meter weit fliegen. Zwei oder drei lockere Schw\u00fcnge reichen zun\u00e4chst v\u00f6llig. Zum Abschluss kann man dann sogar den ersten Abschlag der bevorstehenden Runde simulieren: Ziel ausw\u00e4hlen, Routine durchgehen, einen Ball schlagen \u2013 und genau dabei versuchen, das Gef\u00fchl mitzunehmen, mit dem man wenige Minuten sp\u00e4ter auf dem ersten Tee stehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><strong>Aufw\u00e4rmen soll den K\u00f6rper ins Golfspiel hineinf\u00fchren, nicht ihn schon vor dem ersten Abschlag erm\u00fcden.<\/strong><\/p>\n<h3>Keinen Zwang!<\/h3>\n<p>Weder physiologisch noch psychologisch sollte beim Aufw\u00e4rmen Zwang entstehen. F\u00fcnfzigmal den Oberk\u00f6rper nach rechts und links zu drehen und sich dabei wom\u00f6glich noch in die Endposition hineinzuzwingen, bringt wenig. Mit dem tats\u00e4chlichen Golfspiel hat eine solche mechanische Wiederholung nur begrenzt etwas zu tun.<\/p>\n<p>Der Golfschwung ist keine isolierte Bewegung einzelner Muskeln, sondern eine koordinierte Kette durch nahezu den gesamten K\u00f6rper. Beine und Ges\u00e4\u00df stabilisieren den Stand und unterst\u00fctzen die Gewichtsverlagerung. Die H\u00fcftmuskulatur leitet die Rotation ein, Bauch- und R\u00fcckenmuskulatur \u00fcbertragen die Bewegung \u00fcber den Rumpf, Schulterg\u00fcrtel und Brustmuskulatur f\u00fchren die Arme, w\u00e4hrend Unterarme und H\u00e4nde schlie\u00dflich die Verbindung zum Schl\u00e4ger herstellen. Selbst Waden, Fu\u00dfmuskulatur und die kleinen stabilisierenden Muskeln rund um Wirbels\u00e4ule und Schulter arbeiten mit.<\/p>\n<p>Gerade deshalb ist es wenig sinnvoll, vor der Runde einzelne K\u00f6rperpartien mit Gewalt auf maximale Dehnung zu bringen. Entscheidend ist vielmehr, <strong>die gesamte Bewegungskette langsam in Gang zu setzen<\/strong>. Kleine Rotationen, lockere Schw\u00fcnge, allm\u00e4hlich gr\u00f6\u00dfere Bewegungen. Der K\u00f6rper soll verstehen: Gleich wird Golf gespielt.<\/p>\n<p>Und auch im Kopf gilt dasselbe. Aufw\u00e4rmen ist keine Pr\u00fcfung. Es gibt keine vorgeschriebene Zahl an Drehungen und keine Pflicht, nach f\u00fcnf Minuten schon den perfekten Schwung zu produzieren. Je weniger Druck entsteht, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Chance, dass sich der K\u00f6rper tats\u00e4chlich locker und nat\u00fcrlich in den Bewegungsablauf hineinfindet.<\/p>\n<h3>Die Masse macht gar nichts!<\/h3>\n<p>Vor der Golfrunde 40, 60 oder gar 80 B\u00e4lle stoisch in die Welt zu schlagen, bringt wenig. Aufw\u00e4rmen ist kein Mengenwettbewerb. Entscheidend ist nicht, wie viele B\u00e4lle irgendwann vor einem fehlen, sondern ob der K\u00f6rper Schritt f\u00fcr Schritt in den Golfschwung hineingefunden hat.<\/p>\n<p>Beginnen kann man ganz entspannt mit einem Wedge oder einem kurzen Eisen. Drei B\u00e4lle gen\u00fcgen zun\u00e4chst vollkommen \u2013 und die m\u00fcssen noch nicht einmal weit fliegen. Danach kommt der n\u00e4chstl\u00e4ngere Schl\u00e4ger an die Reihe, wieder mit drei lockeren B\u00e4llen. So arbeitet man sich langsam durch die Eisen nach oben. Je nach Zusammenstellung des Bags sind das vielleicht gerade einmal 15 B\u00e4lle. Mehr braucht es f\u00fcr diesen ersten Teil \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p>Danach beginnt gewisserma\u00dfen der zweite Durchgang. Wieder beim Wedge oder kurzen Eisen starten und nun mit etwas mehr Geschwindigkeit schlagen. Dabei reicht bereits ein Ball, h\u00f6chstens zwei, pro Schl\u00e4ger. Der Bewegungsablauf ist inzwischen bekannt, der K\u00f6rper warm \u2013 jetzt darf sich der Schwung langsam dem n\u00e4hern, was sp\u00e4ter auf dem Platz gebraucht wird.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend kommen die H\u00f6lzer. Drei B\u00e4lle pro Holz sind vollkommen ausreichend: der erste locker, der zweite etwas entschlossener, der dritte ann\u00e4hernd im normalen Spieltempo.<\/p>\n<p>Beim Driver d\u00fcrfen es vier B\u00e4lle sein. Die ersten beiden werden bewusst locker geschlagen. Beim dritten darf etwas mehr Geschwindigkeit hinzukommen. Und erst der vierte wird so gespielt, wie man sp\u00e4ter auf dem ersten Abschlag tats\u00e4chlich schlagen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Der Sinn dahinter ist einfach: <strong>Der K\u00f6rper soll auf Betriebstemperatur kommen, nicht bereits auf der Driving Range seine erste Runde absolvieren.<\/strong> Wer nach dem Warmspielen schon das Gef\u00fchl hat, eine Trainingseinheit hinter sich zu haben, hat m\u00f6glicherweise etwas zu viel des Guten getan.<\/p>\n<h3>Beim Aufw\u00e4rmen was dazulernen?<\/h3>\n<p>Wenn der Slice gerade dein Problem ist, wenn deine B\u00e4lle st\u00e4ndig zu weit nach rechts fliegen oder wenn du sie regelm\u00e4\u00dfig nach links ziehst, wirst du das unmittelbar vor einer Runde oder einem Turnier auf der Driving Range nicht mehr grunds\u00e4tzlich korrigieren. Und daf\u00fcr ist das Aufw\u00e4rmen auch gar nicht gedacht.<\/p>\n<p>Aufw\u00e4rmen soll den K\u00f6rper vorbereiten und den eigenen Schwung f\u00fcr den Tag f\u00fchlbar machen. Es ist keine Technikstunde. Wer kurz vor dem ersten Abschlag pl\u00f6tzlich anf\u00e4ngt, Griff, Schwungbahn, Schulterstellung und Treffmoment gleichzeitig ver\u00e4ndern zu wollen, produziert im Zweifel eher noch mehr Unsicherheit.<\/p>\n<p>Wenn du deinen Schwung verbessern willst, geh\u00f6rt das in ein bewusstes Training. Entweder gemeinsam mit einem Trainer oder an einem echten Driving-Range-Tag, an dem genau daf\u00fcr Zeit eingeplant ist. Dann darf analysiert, ausprobiert, ver\u00e4ndert und wiederholt werden.<\/p>\n<p>Das ist etwas v\u00f6llig anderes als Warmspielen. Im Gegenteil: Auch vor einem solchen Training sollte man sich zun\u00e4chst aufw\u00e4rmen. Erst locker beginnen, den K\u00f6rper in Bewegung bringen und dann in die eigentliche Trainingseinheit einsteigen.<\/p>\n<p>Und wenn diese Einheit anschlie\u00dfend 60, 80 oder noch mehr B\u00e4lle umfasst, ist das vollkommen in Ordnung. Dann haben diese B\u00e4lle einen Zweck. Sie geh\u00f6ren zum Training.<\/p>\n<p>Vor einer Runde dagegen geht es nicht darum, noch schnell ein besserer Golfer zu werden. Es geht nur darum, <strong>den Golfer, der man gerade ist, m\u00f6glichst gut vorbereitet an den ersten Abschlag zu bringen.<\/strong><\/p>\n<h3>Muss es Rasen sein?<\/h3>\n<p>Nein. Es ist \u00fcberhaupt kein Problem, sich auf den Abschlagsmatten aufzuw\u00e4rmen. Man muss nicht zwingend vor die Matten gehen und dabei den Rasen zerhacken. F\u00fcr ein normales Aufw\u00e4rmprogramm besteht daf\u00fcr schlicht keine Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Wer bewusst mit Divots arbeiten m\u00f6chte, weil das zum eigenen Trainingsgef\u00fchl geh\u00f6rt oder weil bestimmte Schl\u00e4ge gezielt trainiert werden sollen, kann nat\u00fcrlich auch einmal vom Rasen schlagen. Aber das ist dann bereits Training \u2013 nicht blo\u00df Warmspielen.<\/p>\n<p>F\u00fcr das eigentliche Aufw\u00e4rmen reichen die Matten vollkommen aus. Kurze Eisen, mittlere Eisen und auch die H\u00f6lzer lassen sich dort problemlos vorbereiten. Beim Driver sieht es etwas anders aus: F\u00fcr die vier vorgesehenen Driverb\u00e4lle kann man auf den Rasen beziehungsweise an die daf\u00fcr vorgesehene Abschlagstelle gehen und den Ball sauber aufteen. Gleiches gilt, wenn beispielsweise ein Holz 3 vom Tee gespielt werden soll.<\/p>\n<p>Der Grundgedanke bleibt einfach: <strong>Aufw\u00e4rmen soll den K\u00f6rper vorbereiten, nicht unn\u00f6tig Spuren auf der Anlage hinterlassen.<\/strong> Wer die Abschlagsmatten nutzt, schont den Rasen und damit auch die Infrastruktur des Golfplatzes.<\/p>\n<h3>Wann sollte das Aufw\u00e4rmen beginnen?<\/h3>\n<p>Vor einem Turnier sollte das Aufw\u00e4rmen m\u00f6glichst nicht zwischen Parkplatz, Scorekarte und erstem Abschlag eingeklemmt werden. Rund <strong>30 Minuten vor der Startzeit<\/strong> mit einem konsequenten Aufw\u00e4rmprogramm zu beginnen, ist ein guter Richtwert. Dann bleibt genug Zeit, den K\u00f6rper langsam in Bewegung zu bringen, einige B\u00e4lle mit den Eisen zu schlagen, die H\u00f6lzer und den Driver vorzubereiten und anschlie\u00dfend noch ein paar Putts oder kurze Chips zu machen.<\/p>\n<p>Wichtig ist dabei, nicht schon mit Blick auf die Uhr hektisch zu werden. Aufw\u00e4rmen unter Zeitdruck verfehlt seinen Zweck. Wer wei\u00df, dass er um 10 Uhr abschl\u00e4gt, sollte also nicht um 9.52 Uhr auf der Driving Range erscheinen und versuchen, in acht Minuten zwanzig B\u00e4lle zu erschlagen.<\/p>\n<p>Bei einer privaten Runde darf das Ganze deutlich entspannter aussehen. Da kann man ein wenig bummeln, zwischendurch einen Kaffee trinken oder sich erst einmal mit den Mitspielern unterhalten. Entscheidend ist nur, dass der K\u00f6rper vor dem ersten Abschlag tats\u00e4chlich schon einmal in Bewegung war und nicht direkt aus Auto, Clubhaus oder Golfcart in den ersten vollen Schwung geschickt wird.<\/p>\n<p>Sinnvoll ist au\u00dferdem, das Aufw\u00e4rmen nicht zu fr\u00fch vollst\u00e4ndig abzuschlie\u00dfen. Wer 45 Minuten vor dem Start fertig ist und anschlie\u00dfend eine halbe Stunde sitzt, darf sich nicht wundern, wenn sich der K\u00f6rper am ersten Abschlag wieder etwas eingerostet anf\u00fchlt. Ideal ist, wenn zwischen den letzten lockeren Schl\u00e4gen und dem Gang zum ersten Tee nur wenige Minuten liegen.<\/p>\n<p>Und auch hier gilt: Das Aufw\u00e4rmen soll Ruhe schaffen, nicht neue Hektik produzieren. Beim Turnier etwas strukturierter und konsequenter, bei der privaten Runde gerne entspannter, aber in beiden F\u00e4llen mit dem gleichen Ziel. Am ersten Abschlag soll das K\u00f6rpergef\u00fchl auf Golf eingestellt sein.<\/p>\n<p><strong>Sch\u00f6nes Spiel.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum die Runde schon auf der Driving Range beginnt Vor einer Golfrunde ist Aufw\u00e4rmen kein l\u00e4stiges Pflichtprogramm, sondern beinahe schon Teil des Spiels. Wer kalt zum ersten Abschlag geht, verschenkt oft schon auf den ersten L\u00f6chern Schl\u00e4ge und wundert sich anschlie\u00dfend, weshalb die ersten Schl\u00e4ge in das Fairway nicht richtig funktionieren. 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